SAP ERP und die Migration auf S4 HANA: Die wesentlichen Herausforderungen und Bedenken unserer Kunden

Die 2BCS AG hat in den vergangenen drei Jahren zahlreiche SAP Kunden bei der Identifizierung und Auswahl von unternehmensspezifischen Roadmaps für die Zukunft im ERP Bereich unterstützt. Die Standard-Ansätze SAP Brownfield oder SAP Greenfield wurden dabei nur selten angewendet. In den Transformationsprojekten unserer Kunden waren vielmehr kundenspezifische Ansätze der Schlüssel. Das Ergebnis: Die Kunden wurden innovativer und flexibler. Auch ihre Kosteneffizienz stieg deutlich. Letztendlich ist das Ziel unserer Kunden immer, die IT wieder zu einem Wettbewerbsvorteil zu machen. In diesem Blogartikel werde ich einige wesentliche Bedenken unserer Kunden hinsichtlich SAP ERP identifizieren, bevor diese ein Roadmap-Projekt mit der 2BCS AG starten. Weitere Blogartikel zu den Themen Roadmap, Kulturwandel und finanzielle Vorteile werden folgen.
Im Jahr 2019 führte SAP S/4 HANA ein. Diese Lösung ist eigens für die SAP HANA-Datenbank geschrieben: ein proprietäres, spaltenorientiertes, relationales In-Memory-Datenbankmanagementsystem, das von SAP entwickelt und vermarktet wird. Die neue Lösung zeichnet sich durch Vereinfachungen, erhöhte Effizienz und überzeugende Funktionen wie Planungs- und Simulationsmöglichkeiten in vielen gängigen Transaktionen aus.

SAP kündigte ursprünglich an, die regelmässige Wartung für SAP ERP im Jahr 2025 zu beenden. Diese Frist wurde bis 2027 verlängert. Unternehmen, die SAP ERP bis zum Jahr 2030 weiterverwenden wollen, müssen von 2027 bis 2030 einen Aufpreis von 22 % bis 32 % auf den Support zahlen. Die Frist bis 2027 wird von vielen SAP-Kunden als endgültig angesehen, zu der sie sich von ihren bestehenden Lösungen trennen müssen.

Wie viele SAP Kunden haben bereits auf S/4 HANA migriert? Eine Studie der DSAG (Deutsche SAP Anwender-Gruppe) aus dem Jahr 2020 liefert für die SAP ERP Kunden folgende Zahlen:

Anteil der Kunden in % Situation
10% haben schon vor 2020 auf S/4 HANA migriert
9% planen im Jahr 2020 auf S/4 HANA zu migrieren
40% planen in den Jahren 2021, 2022 und 2023 auf S/4 HANA zu migrieren
22% ziehen eine Migration zwischen 2024 und 2027 in Betracht
13% haben sich noch nicht für eine Strategie entschieden
6% planen auch nach 2027 bei SAP ERP zu bleiben

Ich persönlich zweifle daran, dass 19 % der Kunden bereits erfolgreich auf S/4 HANA migriert haben, und zwar aus den folgenden drei Gründen:
  1. Die Corona Pandemie in den Jahren 2019 und 2020: Zahlreiche Unternehmen haben ihre bestehenden S/4 HANA Migrationsprojekte auf Eis gelegt.
  2. Die Pandemie führte dazu, dass SAP ERP Kunden ihre Entscheidungen zu einer möglichen Migration verschoben haben.
  3. Die tatsächlichen externen und internen Kosten der initialen Migration auf S/4 HANA sind viel höher als erwartet (z. B. Lidl, Haribo, V-Zug). Dies hat einige SAP ERP Kunden zögern lassen, die Migration anzugehen.
Zusammenfassend denke ich, dass rund 75 % der SAP ERP Kunden noch nicht entschieden haben, ob und wann sie auf S/4 HANA migrieren werden. Bei den Unternehmen ist eine Unsicherheit spürbar, die dazu geführt hat, dass die 2BCS Application Strategy Services (aka Roadmap Services) von bestehenden SAP ERP Kunden mit der Nachfrage nach einer unabhängigen Best-Practice-Beratung sprichwörtlich überrannt wurden.

Ausgangssituation

Nicht alle SAP ERP Kunden werden Unternehmen wie die 2BCS AG bei der Migration auf S/4 HANA um Rat fragen. Denn viele sind sowohl mit der Anwendung und dem generierten Mehrwert als auch dem Systemintegrator zufrieden sind. Für diese Unternehmen sind auch die externen und internen Kosten sowie der Grad an Flexibilität und Innovation der Lösung in Ordnung. Sie werden schliesslich den Greenfield oder Brownfield Ansatz wählen, um auf den S/4 HANA Zug aufzuspringen.

Andere SAP ERP Kunden sind sich ihrer Sache nicht so sicher und sehen den Untergang von SAP ERP als Möglichkeit, ihre Applikationsstrategie zu überprüfen und qualifizierte Entscheidungen über die langfristige Zukunft zu treffen. Die 2BCS AG hat in den letzten drei Jahren viele Kunden unterstützt. Wir analysieren dabei erst die Ausgangssituation und erstellen auf deren Basis eine unabhängige Roadmap. Dabei haben wir die folgenden sechs häufigen Probleme identifiziert, mit denen sich unsere SAP ERP Kunden konfrontiert sehen:

  • Die SAP ERP Anwendung ist in hohem Masse für den Kunden individualisiert
    Die bestehende Anwendung ist bereits seit vielen Jahren in Gebrauch. Sie wurde in vielen Bereichen kundenspezifisch angepasst, um die Geschäftsprozesse und die individuellen Bedürfnisse des Kunden abzudecken. Die Liste sog. “Z-Programme” ist lang. Zu diesen ist oftmals nur unzureichendes Know-How und lückenhafte Dokumentation vorhanden. Die Anpassungen laufend auf dem neuesten Stand zu halten, wenn Installationen von neuen Versionen oder Patches anstehen, ist ausserdem sehr mühsam. Auch die Sorgen darüber, dass die Anpassungen die Standardfunktionalitäten beeinträchtigen, stehen ständig im Raum.
    → Bedenken 1: Werden diese Anpassungen vom Unternehmen überhaupt noch benötigt oder kann der Kunde auf eine Standardlösung zurückgreifen?
  • Das Geschäftsmodell und/oder die Geschäftsprozesse haben sich seit der Ersteinführung geändert
    Die SAP ERP Lösung wurde zu seiner Zeit auf Basis des damals bestehenden Geschäftsmodells und der entsprechenden Prozesse eingeführt. Diese unterliegen einem ständigen Wandel. SAP ERP entsprechend anzupassen, ist jedoch nicht so einfach. Für gewöhnlich sind IT Projekte im Allgemeinen auch nicht mit der Geschwindigkeit und Wirkung durchzuführen, wie es in der heutigen Geschäftswelt nötig wäre.
    → Bedenken 2: Wie gut ist das bestehende SAP ERP des Kunden auf das aktuelle und künftige Geschäftsmodell und die Prozesse abgestimmt?
  • Die Unterstützung durch den Systemintegrator entspricht nicht den Erwartungen
    Die Beziehung zum Systemintegrator hat sich im Laufe der Jahre verschlechtert. Anstatt der "wichtigste" Kunde zu sein, sind unsere Kunden zu "Prio 2 Kunden” geworden, die nur Aufmerksamkeit bekommen, wenn es nicht genug Neukundengeschäft gibt. Oftmals ist ausserdem das Know-how über die kundenspezifischen Lösungen nicht mehr vorhanden.
    → Bedenken 3: Können die Kunden künftig besseren Support und Best Practices vom Systemintegrator erwarten?
  • SAP ERP liefert nicht genug Mehrwert
    Bestehende SAP ERP Kunden beklagen oft, dass die Lösung verglichen zu den Total Cost of Ownership nicht genügend Mehrwert liefert. Das System liefert keinen Wettbewerbsvorteil mehr. Die Wettbewerber scheinen aufgeholt zu haben und nutzen oft günstigere, einfachere und flexiblere Systeme.
    → Bedenken 4: Wie kann die künftige ERP Lösung einen Wettbewerbsvorteil liefern?
  • SAP ERP bietet weder Innovation noch Flexibilität
    Für die meisten Kunden sind die Kernprozesse wie Auftragsabwicklung, Einkauf, Fertigung und Finanzen im Verlauf der letzten Jahre gleich geblieben. “Innovation around the edges” lautet hier das Stichwort. Unsere Kunden implementieren beispielsweise CRM-Lösungen, Web-Lösungen, B2B-Portale, Konfiguratoren, BI- und MES-Lösungen. All diese Innovationen sind rum um SAP ERP herum angesiedelt. Zu diesen liefert das System jedoch oftmals nicht die entsprechenden Module, um die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen. Dies hat häufig eine komplexe und heterogene Anwendungsstruktur mit vielen Schnittstellen und Herausforderungen im Bereich der Stammdaten zur Folge.
    → Bedenken 5: Die Innovationen rund um das ERP zählen heute zum Standard, können jedoch nicht in SAP ERP integriert werden. Wie können die Kunden also langfristig die Komplexität reduzieren und trotzdem innovativ bleiben?
  • Die laufenden Kosten für SAP ERP sind zu hoch
    Die Kunden beklagen die hohen Kosten rund um SAP ERP. Sei es für Wartung, Hosting oder das Application Management. Die Tagessätze der Berater wie auch die Anzahl an benötigten Tagen für einfache Aufgaben sind zu teuer. Auch die neuen Preismodelle (z. B. für die indirekte Nutzung) und ihre Auswirkungen auf die Kunden führen zu Verunsicherung.
    → Bedenken 6: Wie kann die IT die Betriebskosten für ERP reduzieren?
Die meisten unserer SAP-Kunden nennen die oben genannten Punkte, wenn sie nach ihrer subjektiven Sicht auf die aktuelle Situation befragt werden. Gemeinsam mit einem unabhängigen Beratungsunternehmen wie der 2BCS AG kann die individuelle Situation analysiert und mit Best Practice Beispielen und Branchenkennzahlen verglichen werden. Durch die Erstellung eines prozess- und zukunftsorientierten Request for Information (RFI) oder Request for Proposal (RFP) und der Auswertung der Marktergebnisse werden dem Kunden Möglichkeiten für die Zukunft aufgezeigt. Im Anschluss daran können detailliertere Auswertungen und Verhandlungen folgen.

Wer ist die 2BCS AG?

Die 2BCS AG ist ein führendes Unternehmen für Business und IT Transformation in der Schweiz. Unsere Kunden können bei ihren digitalen Initiativen voll auf uns und unsere jahrelange Erfahrung zählen. Wir sind Vordenker und unabhängige Experten mit einer Hands-on Mentalität im Bereich der Implementierungen. Zu unseren Kunden zählen nationale und international Industrie- und Handelskunden, die besonderen Wert auf Erfahrungen aus Best Practices und professionellen Support legen. Die 2BCS AG ist ein Spin-Off der HSG mit Standorten in St. Gallen und Zürich.

About Author

Dr. Martin Brogli
Dr. Martin Brogli ist Mitbegründer von 2BCS AG. Seit 1995 ist er als Prozess- und IT-Berater in den verschiedensten Industrien in der Schweiz und im Ausland tätig. Er hat an der Hochschule St. Gallen Wirtschaftsinformatik studiert und anschliessend seine Dissertation zum Thema "Prozesse und IT" geschrieben. Dr. Brogli ist ein ausgewiesener Fachmann in den Themen Applikationsstrategie, Geschäftsprozessoptimierung, Software-Evaluationen und Software-Einführungen.