Letzte Woche reiste ich nach Schweden, um am IFS Connect Nordics teilzunehmen. Die Veranstaltung fand in Göteborg in der World of Volvo statt, einer schönen Stadt und einer beeindruckenden Location. Das moderne Gebäude mit seinen grossen Fensterfronten, Beton- und Holzelementen diente gleichzeitig als Museum zur Geschichte von Volvo und als Veranstaltungsort für die Konferenz.
Die Veranstaltung war ausverkauft und zählte rund 700 Teilnehmer. Der Hauptanlass fand am Donnerstag statt und umfasste Keynotes von IFS, Partnern und Kunden. Im Mittelpunkt standen industrielle KI-Lösungen und die Frage, wie diese Technologie Unternehmen bereits heute verändert und künftig weiter prägen wird. Daneben gab es verschiedene Breakout-Sessions zu den einzelnen Branchen sowie zu den Produkten innerhalb des IFS-Ökosystems. Ergänzend waren rund 15 Partner mit eigenen Messeständen vertreten.
Der Freitag stand unter der Leitung der skandinavischen und finnischen IFS-Anwendergruppen. Im Fokus standen Praxisberichte von Kunden, die zeigten, wie sie IFS zur Lösung konkreter Herausforderungen einsetzen, beispielsweise für die visuelle Planung, das Lifecycle Management oder die Vorbereitung globaler Rollouts.
Die erste Session am Freitagmorgen beschäftigte sich mit dem Thema Access Control. Wie man sich vorstellen kann, durfte ich diese Veranstaltung nicht verpassen. Die Session wurde von einem IFS-Spezialisten durchgeführt, dessen Namen ich leider nicht mitbekommen habe. Angekündigt wurde der Vortrag mit dem Thema: «Wie moderne Berechtigungsstrukturen, User Lifecycle Management und eine intelligentere Governance Sicherheit und Produktivität in IFS Cloud verbessern können.» Rund 100 Personen nahmen an der 45-minütigen Session teil.
Der Referent erläuterte, wie IFS empfiehlt, Endanwenderrollen aufzubauen, welche Werkzeuge dafür verwendet werden sollen (Excel) und zeigte anhand einiger Beispiele den Zusammenhang zwischen Endanwenderrollen und Functional Permission Sets auf.
Die vorgestellten Konzepte und die Präsentation insgesamt haben mich aus mehreren Gründen enttäuscht:
• Excel als zentrales Werkzeug: IFS empfahl, umfangreiche Excel-Tabellen mit der Navigator-Struktur, den Functional Permission Sets, den Endanwenderrollen und den Benutzern zu erstellen. Der vorgeschlagene Ansatz bestand darin, zunächst alles in Excel zu dokumentieren und anschliessend die Einstellungen manuell in IFS zu erfassen. Für das Lifecycle Management wurde empfohlen, sämtliche Änderungen ebenfalls in diesen Excel-Dateien nachzuführen. Auf die Frage aus dem Publikum, wie mit Änderungen der Navigator-Struktur bei neuen Releases umzugehen sei, wurde keine Lösung präsentiert. Dabei gibt es im IFS-Ökosystem zahlreiche Anbieter, die Werkzeuge für die Einrichtung, Verwaltung und Dokumentation von Rollen und Berechtigungen anbieten. Meiner Ansicht nach hätte das erwähnt werden müssen.
• Aufbau von Endanwenderrollen (EUR) und Functional Permission Sets (FPSFR): Der Referent empfahl, die Rollenstruktur von Grund auf neu zu entwickeln. Der vorgeschlagene Prozess lautete: Rollen identifizieren, Basisrollen definieren, Workshops durchführen, entwickeln, testen und dokumentieren. Dieser Ansatz ist äusserst zeitaufwendig, fehleranfällig und führt letztlich dazu, dass jeder Kunde das Rad neu erfindet. Moderne IFS-Projekte starten heute in der Regel mit einem bereits getesteten Satz von Endanwenderrollen und Functional Permission Sets. Anschliessend wird eine Fit-Gap-Analyse durchgeführt und die Rollen werden gezielt angepasst.
• Fehlende Best Practices: Jede IFS-Implementierung benötigt ein durchdachtes Berechtigungskonzept. Über die Jahre haben sich hierfür zahlreiche Best Practices etabliert. Leider wurden diese im Vortrag kaum thematisiert. Beispielsweise fehlten Empfehlungen zur Trennung von Basisdatenrollen, zur üblichen Anzahl von Rollen und Berechtigungssets, zu sinnvollen Abgrenzungen innerhalb von Endanwenderrollen oder zu Testverfahren.
• Fehlende Informationen zur Migration: Viele IFS-Kunden stehen aktuell vor der Migration von IFS Applications 10 auf IFS Cloud. Diese Unternehmen verfügen bereits über funktionierende Rollen- und Berechtigungskonzepte. Der Vortrag bot jedoch keinerlei Hilfestellung oder Entscheidungshilfen dazu, ob und wie bestehende Konzepte übernommen werden können. Zwar stellt IFS selbst keinen Migrationspfad für Rollen und Berechtigungen bereit, am Markt existieren jedoch Anbieter, die solche Migrationen zu einem Festpreis durchführen.
Meine Einschätzung des Vortrags deckte sich mit den Rückmeldungen vieler Teilnehmer, mit denen ich nach der Session gesprochen habe. Die meisten zeigten sich enttäuscht von den vorgestellten Lösungsansätzen, der fehlenden funktionalen Roadmap von IFS in diesem Bereich, den fehlenden Best-Practice-Empfehlungen sowie vom Vortrag insgesamt.
2BCS und Purple Services bieten alle zwei Monate ein Webinar zu IFS-Rollen und Berechtigungen an. Diese Webinarreihe läuft seit über einem Jahr und vermittelt praxisnahe Best Practices zu diesem Thema. Nach dem Vortrag waren sich Magnus Ingemars, Koordinator der skandinavischen IFS-Anwendergruppe, und ich einig, diese Best Practices bei einer zukünftigen Veranstaltung der Anwendergruppe vorzustellen.
Weitere Informationen folgen.
Dr. Martin Brogli