In vielen Unternehmen werden die Begriffe Planung und Prognose noch immer synonym verwendet. Beide beziehen sich zwar auf die Zukunft, doch in Funktion, Datenbasis und Steuerungswirkung unterscheiden sie sich grundlegend. Wer Planung und Prognose gleichsetzt, riskiert, Entscheidungen auf einer unvollständigen Grundlage zu treffen.
Denn: Eine Prognose beschreibt, was voraussichtlich passieren wird. Eine Planung legt fest, was geschehen soll und stützt sich dabei idealerweise auf Prognosedaten aus einer integrierten ERP-Umgebung.
Die Prognose ist der Versuch, die wahrscheinlichste Entwicklung der Zukunft abzubilden. Sie basiert heute nicht mehr nur auf Erfahrungswerten, sondern auf transaktionalen ERP-Daten, Absatzhistorien, Marktinformationen und – je nach Systemlandschaft – auch KI-gestützten Forecast-Modellen.
Ziel ist es, ein möglichst realistisches Bild der kommenden Tage, Wochen oder Monate zu zeichnen – unter der Annahme, dass sich die Rahmenbedingungen nicht grundlegend ändern. Damit liefert die Prognose den objektiven Ausgangspunkt für die weitere Unternehmenssteuerung und bildet im ERP den Datenkern für Planung, Beschaffung und Kapazitätsabgleich.
Eine gute Prognose ist faktenorientiert, datengetrieben und frei von Wunschdenken. Sie dient nicht der Motivation oder Zielvorgabe, sondern der realistischen Einschätzung der Ausgangslage.
Wie zuverlässig Prognosen sind, hängt weniger von der Methode als von der Datenqualität und Systemintegration im ERP ab.
Die Planung setzt an einem anderen Punkt an. Sie definiert, wohin sich ein Unternehmen entwickeln soll und welche Schritte dafür erforderlich sind. Während die Prognose die erwartete Zukunft beschreibt, entwirft die Planung die angestrebte Zukunft.
In der Planung werden strategische Zielgrössen, operative Machbarkeit und Ressourcenverfügbarkeit zusammengeführt. Entscheidend ist, dass dies nicht losgelöst von den zugrunde liegenden Prognosedaten geschieht, sondern auf Basis einer konsistenten, integrierten ERP-Datenlandschaft.
Planung bedeutet also Gestaltung: Sie formt, priorisiert und taktet Massnahmen, statt nur zu beobachten oder zu reagieren. Sie beantwortet damit die zentrale Frage, wie Unternehmen unter gegebenen Kapazitäten, Materialverfügbarkeiten und Marktbedingungen ihre Ziele erreichen können.
Die Prognose bildet das Fundament für jede Planung. Erst wenn klar ist, wie sich Nachfrage und Absatz voraussichtlich entwickeln, lässt sich ableiten, welche Auswirkungen dies auf Kapazitäten, Budget und Materialbestände haben wird. In modernen ERP-, APS- oder BI-Systemen werden diese Prognosen nicht isoliert betrachtet, sondern mit Ressourcenverfügbarkeit und Produktionsrealitäten abgeglichen. Auf dieser Grundlage lassen sich Planungsalternativen erstellen – nicht als Tabellenkalkulation, sondern als durchgerechnete Szenarien:
Best Case: Nachfrage übertrifft den Forecast.
In diesem Fall werden Kapazitäten und Lieferketten frühzeitig geprüft, um Termintreue und Durchsatz stabil zu halten.
Base Case: Nachfrage entspricht dem Forecast.
Hier läuft die Produktion im geplanten Takt, Bestände und Ressourcen bleiben innerhalb des vorgesehenen Korridors.
Worst Case: Nachfrage bleibt hinter dem Forecast zurück.
In diesem Szenario werden Kapazitäten und Taktung angepasst und wirtschaftliche Auswirkungen auf Bestände und Liquidität berücksichtigt.
Ein Beispiel: Zeigt die Prognose rückläufige Absatzvolumina, kann über Szenarien im ERP simuliert werden, wie sich Preisanpassungen, Marketingintensität oder Produktionsoptimierungen auf Kapazität und Deckungsbeiträge auswirken. Ohne diese datenbasierte Prognose wäre jede Planung ein reines Wunschbild – ohne Bezug zur realen Nachfrageentwicklung.
So werden Szenarien im ERP von einer reinen Prognoseansicht zu einem steuerbaren Handlungsrahmen. Sie erlauben, Massnahmen und Prioritäten vorausschauend zu steuern, statt in reaktiver Ad-hoc-Entscheidung zu verharren.
Eine Prognose ist keine Planung, doch jede Planung benötigt eine belastbare Prognose als Ausgangspunkt. Die Prognose beschreibt dabei, was voraussichtlich geschieht, die Planung legt fest, wie Unternehmen darauf steuernd reagieren.
Wer plant, ohne realistische Prognosedaten, entfernt sich von den Marktbedingungen; wer nur prognostiziert, ohne zu planen, verzichtet auf Gestaltungsspielraum. Erst im Zusammenspiel entsteht eine vorausschauende Steuerungslogik, bei der Prozesse, Kapazität und Ressourcen im ERP konsistent zusammengeführt werden.
Planung beginnt also mit Erkenntnis. Und diese Erkenntnis entsteht nicht aus Annahmen, sondern aus integrierten, datenbasierten Prognosen.
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie wissen möchten, wie belastbar Ihre aktuellen Prognose- und Planungsprozesse sind und in welchem Mass ERP-Daten heute bereits zur Steuerung beitragen, sprechen Sie uns an. Wir analysieren mit Ihnen, wo Integration, Datenqualität und Szenarienlogik stehen – und welches Potenzial Ihre Planung noch hebt.